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<title>Operation Grasp</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Operation Grasp</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Die <b>Operation Grasp</b> (engl. „grasp“ = Zugriff) war eine am 3. Juli <a href="1940" title="1940">1940</a> durchgeführte Militäraktion der <a href="Royal_Navy" title="Royal Navy">Royal Navy</a> im <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkrieg</a>, bei der alle in britischen Häfen befindlichen <a href="Marine_Nationale" title="Marine Nationale">französischen Schiffe</a> gekapert und beschlagnahmt wurden. Auf diese Weise wurde verhindert, dass die Schiffe nach dem elf Tage zuvor unterzeichneten <a href="Waffenstillstand_von_Compi%C3%A8gne_(1940)" title="Waffenstillstand von Compiègne (1940)">Waffenstillstand von Compiègne</a> in die Hände des <a href="Vichy-Regime" title="Vichy-Regime">Vichy-Regimes</a> oder des <a href="Deutsches_Reich_1933_bis_1945" class="mw-redirect" title="Deutsches Reich 1933 bis 1945">Deutschen Reiches</a> fielen.
</p><p>Die Operation fand gleichzeitig mit der wesentlich umfangreicheren und bekannteren <a href="Operation_Catapult" title="Operation Catapult">Operation Catapult</a> statt, die sich gegen die französische Flotte im Mittelmeer richtete. Häufig wird die Operation Grasp daher auch als Teil der Operation Catapult angesehen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hintergrund">Hintergrund</h2></div>
<p>Nach der Niederlage der alliierten Truppen im Juni 1940 flohen die Schiffe der französischen Marine aus den Häfen Nordfrankreichs, um nicht den vorrückenden Deutschen in die Hände zu fallen. Da der stärkste Marineverband, die Force de Raid bereits zuvor ins Mittelmeer verlegt worden war, um gegen Italien vorzugehen, und des Weiteren die beiden neuen Schlachtschiffe der <a href="Richelieu-Klasse" title="Richelieu-Klasse">Richelieu-Klasse</a> sich in die afrikanischen <a href="Franz%C3%B6sische_Kolonien" title="Französische Kolonien">Kolonien</a> zurückzogen, gelangten vor allem kleinere und veraltete Schiffe nach Großbritannien. Die meisten der französischen Schiffe legten in den südenglischen <a href="Marinest%C3%BCtzpunkt" title="Marinestützpunkt">Marinestützpunkten</a> <a href="Portsmouth_(Marinebasis)" title="Portsmouth (Marinebasis)">Portsmouth</a> und <a href="Devonport_(Marinebasis)" title="Devonport (Marinebasis)">Devonport</a> (<a href="Plymouth" title="Plymouth">Plymouth</a>) an. Nahezu alle Schiffe waren beschädigt und benötigten Reparaturen.
</p><p>Weil die Waffenstillstandsbedingungen die französische Marine unangetastet ließen, stand diese im Gegensatz zum Landheer dem neuen Regime recht wohlwollend gegenüber. Ein möglicher Wechsel an die Seite <a href="Charles_de_Gaulle" title="Charles de Gaulle">De Gaulles</a> oder gar eine Übergabe der Schiffe an die Royal Navy wurden allgemein als Landesverrat aufgefasst. Marinebefehlshaber <a href="Fran%C3%A7ois_Darlan" title="François Darlan">Admiral Darlan</a> hatte zudem die Schiffe zur Rückkehr nach Frankreich aufgerufen. Die britische Führung unter <a href="Winston_Churchill" title="Winston Churchill">Churchill</a> beschloss daher, die französischen Marineeinheiten ohne Vorwarnung zu überrumpeln und notfalls mit Gewalt aufzubringen, oder, wo dies nicht möglich sein sollte, zu versenken.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Durchführung_und_betroffene_Schiffe"><span id="Durchf.C3.BChrung_und_betroffene_Schiffe"></span>Durchführung und betroffene Schiffe</h2></div>
<p>In den frühen Morgenstunden des 3. Juli stürmten <a href="Enterung" title="Enterung">Enterkommandos</a> (bestehend aus den Besatzungen der umliegenden britischen Kriegsschiffe und einigen <a href="Royal_Marines" title="Royal Marines">Royal Marines</a>) die französischen Schiffe. An deren <a href="Kommandant" title="Kommandant">Kommandanten</a> wurden Schreiben übergeben, in denen die Beschlagnahmung als bedauerlich aber notwendig gerechtfertigt wurde, da die Deutschen früher oder später versuchen würden, die französische Flotte zu übernehmen und gegen Großbritannien einzusetzen. Anders als später am Tag in <a href="Mers-el-K%C3%A9bir" title="Mers-el-Kébir">Mers-el-Kébir</a>, wo eine starke französische Flotte im eigenen Hafen lag, verzichteten die französischen Schiffe, die in den Häfen Seite an Seite mit überlegenen britischen Kriegsschiffen lagen, größtenteils auf Gegenwehr. Es kam lediglich in Plymouth, wo <a href="Martin_Dunbar-Nasmith" title="Martin Dunbar-Nasmith">Admiral Dunbar-Nasmith</a> den Oberbefehl hatte, zu zwei Zwischenfällen: Die Besatzung des Zerstörers <i>Mistral</i> der <a href="Bourrasque-Klasse" title="Bourrasque-Klasse"><i>Bourrasque</i>-Klasse</a> versuchte vergeblich, ihr Schiff durch Öffnen der <a href="Seeventil" title="Seeventil">Seeventile</a> <a href="Selbstversenkung" title="Selbstversenkung">selbst zu versenken</a>.
</p><p>Blutiger fiel der Widerstand auf dem <a href="U-Kreuzer" title="U-Kreuzer">Unterseekreuzer</a> <i><a href="Surcouf_(U-Boot)" title="Surcouf (U-Boot)">Surcouf</a></i> aus, zu diesem Zeitpunkt das größte U-Boot der Welt und das wichtigste französische Schiff in England: Die französische Schiffsführung traf sich in der <a href="Messe_(Schifffahrt)" title="Messe (Schifffahrt)">Offiziermesse</a> mit dem Führer des eingedrungenen Enterkommandos, Commander Denis Sprague (Kommandant des U-Boots <i>Thames</i>), und dessen Stellvertreter Lieutenant Griffiths. Capitaine Paul Martin wurde erlaubt, das Schiff zu verlassen, um sich mit seinem Vorgesetzten <a href="Lucien_Cayol" title="Lucien Cayol">Admiral Cayol</a> zu besprechen, der auf dem benachbarten alten Schlachtschiff <i><a href="Paris_(Schiff%2C_1914)" title="Paris (Schiff, 1914)">Paris</a></i> keinen Widerstand geleistet hatte. In der Abwesenheit des Kommandanten lösten die verbliebenen Besatzungsmitglieder einen Stromausfall der Beleuchtung aus und versuchten in der Dunkelheit Dokumente und Maschinenelemente zu zerstören. Die Beleuchtung wurde allerdings schnell wieder angeschaltet. Commander Sprague forderte nun die französischen Offiziere auf, sofort das Schiff zu verlassen; jeder der sich weigere, würde erschossen werden. Die Franzosen entgegneten, nur Befehle ihres Kommandanten zu befolgen. Sprague zögerte, woraufhin einer der französischen Offiziere mit einer versteckten MAB-Pistole das Feuer eröffnete. Sprague und Griffiths wurden sofort tödlich getroffen. Im anschließenden Feuergefecht auf engstem Raum tötete ein britischer Seemann mit aufgepflanztem Bajonett einen der französischen Bordingenieure und wurde im Gegenzug vom Schiffsarzt erschossen. Die Franzosen gaben schließlich angesichts der Aussichtslosigkeit der Lage auf. Es handelte sich um die erste Kampfhandlung zwischen französischen und britischen Soldaten seit der <a href="Schlacht_bei_Waterloo" title="Schlacht bei Waterloo">Schlacht bei Waterloo</a>.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Neben der <i>Surcouf</i>, der <i>Paris</i> und der <i>Mistral</i> wurden in Plymouth der schwere Zerstörer <i><a href="Le_Triomphant_(Schiff)" title="Le Triomphant (Schiff)">Le Triomphant</a></i> der <a href="Le-Fantasque-Klasse" title="Le-Fantasque-Klasse">Le-Fantasque-Klasse</a>, der Zerstörer <i>Ouragan</i> (Schwesterschiff der <i>Mistral</i>), das <a href="Torpedoboot" title="Torpedoboot">Torpedoboot</a> <i>Bouclier</i> der <a href="Melpom%C3%A8ne-Klasse" title="Melpomène-Klasse">Melpomène-Klasse</a>, die <a href="Aviso_(Schiffstyp)" title="Aviso (Schiffstyp)">Avisos</a> <i>Coucy</i> und <i>Belfort</i> der Arras-Klasse, der Minenräum-Aviso <i>Commandant Duboc</i> der Élan-Klasse, die beiden U-Boote <i>Junon</i> und <i>Minerve</i> der <a href="Minerve-Klasse_(1936)" title="Minerve-Klasse (1936)"><i>Minerve</i>-Klasse</a> und vier <a href="U-Jagd-Boot" title="U-Jagd-Boot">U-Jagd-Boote</a> gekapert.
</p><p>In Portsmouth beschlagnahmt wurden das Schlachtschiff <i>Courbet</i> (unter dem Befehl von Admiral Gaudin de Vilaine, Schwesterschiff der <i>Paris</i> und Typschiff der <a href="Courbet-Klasse" title="Courbet-Klasse">Courbet-Klasse</a>), der schwere Zerstörer <i><a href="L%C3%A9opard_(Schiff%2C_1927)" title="Léopard (Schiff, 1927)">Léopard</a></i> der <a href="Chacal-Klasse" title="Chacal-Klasse">Chacal-Klasse</a>, die Avisos <i>Amiens</i>, <i>Arras</i>, <i>Epinal</i> (Arras-Klasse), <i>Chevreuil</i> (Chamois-Klasse), <i>Savorgnan de Brazza</i> (Bougainville-Klasse), <i>Diligente</i> (Friponne-Klasse), <i>La Capricieuse</i> (Élan-Klasse) und <i><a href="Quentin_Roosevelt_(Schiff%2C_1918)" title="Quentin Roosevelt (Schiff, 1918)">Quentin Roosevelt</a></i>; des Weiteren die <a href="Flower-Klasse_(1940)" title="Flower-Klasse (1940)">Flower-Korvette</a> <i>La Malouine</i>, die Torpedoboote <i>Branlebas</i>, <i>Cordelière</i>, <i>Incomprise</i>, <i>Flore</i> und <i>Melpoméne</i> (Melpomène-Klasse), der Minenleger <i>Pollux</i>, die U-Boote <a href="Orion-Klasse_(1932)" title="Orion-Klasse (1932)"><i>Orion</i> und <i>Ondine</i></a> sowie einige Patrouillen- und U-Jagd-Boote.
</p><p>In <a href="Falmouth_(Cornwall)" title="Falmouth (Cornwall)">Falmouth</a> wurden die Avisos <i>Commandant Dominé</i>, <i>La Moqueuse</i> (Élan-Klasse), <i>Suippe</i> (Scarpe-Klasse) und <i>Conquérante</i> (modifizierte Friponne-Klasse), das <a href="Zielschiff" title="Zielschiff">Zielschiff</a> <i>L´Impassible</i> sowie das <a href="Forschungsschiff" title="Forschungsschiff">Forschungsschiff</a> <i>Président Théodore Tissier</i> übernommen.
</p><p>In <a href="Swansea" title="Swansea">Swansea</a> und <a href="Dundee" title="Dundee">Dundee</a> wurden die U-Boote <i>Créole</i> (<a href="Aurore-Klasse_(1940)" title="Aurore-Klasse (1940)">Aurore-Klasse</a>) beziehungsweise <i><a href="Rubis_(U-Boot%2C_1933)" title="Rubis (U-Boot, 1933)">Rubis</a></i> in Besitz genommen.
</p><p>In weiteren Häfen, darunter <a href="Southampton" title="Southampton">Southampton</a>, <a href="Hythe_(Kent)" title="Hythe (Kent)">Hythe</a>, <a href="Barry_(Wales)" title="Barry (Wales)">Barry</a>, <a href="Greenock" title="Greenock">Greenock</a> und <a href="Sheerness" title="Sheerness">Sheerness</a>, wurden zahlreiche kleinere Boote beschlagnahmt; insgesamt fielen neben den genannten größeren Schiffen 3 <a href="Minenleger" title="Minenleger">Minenleger</a>, 16 U-Jagd-Boote, 7 <a href="Schnellboot" title="Schnellboot">Torpedoschnellboote</a>, 98 <a href="Minensuchboot" class="mw-redirect" title="Minensuchboot">Minensuch-</a> und Wachboote, 42 <a href="Schlepper_(Schiffstyp)" title="Schlepper (Schiffstyp)">Schlepper</a> und Hafenfahrzeuge sowie 20 <a href="Trawler" title="Trawler">Trawler</a> in britische Hände.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Folgen">Folgen</h2></div>
<p>Angesichts der Bombardierung der französischen Flotte in Mers-el-Kébir mit mehr als tausend Toten gerieten die Aktionen in Großbritannien völlig in den Hintergrund und werden meist nur als Randnotiz zu den Ereignissen im Mittelmeer aufgefasst.
</p><p>Churchill wertete die Operation als klaren Erfolg und erklärte, die schnelle und problemlose Besetzung der Schiffe habe gezeigt, wie einfach die Deutschen von jedem französischen Schiff hätten Besitz ergreifen können, das in einem von ihnen kontrollierten Hafen gelegen hätte („how easily the Germans could have taken possession of any French warships lying in ports which they controlled“).<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Einige wenige der gekaperten Schiffe wurden in die Royal Navy eingegliedert, einige weitere an die <a href="Koninklijke_Marine" title="Koninklijke Marine">niederländische</a> und <a href="Polnische_Streitkr%C3%A4fte_im_Westen" title="Polnische Streitkräfte im Westen">polnische</a> Exil-Marine übergeben. Die meisten Schiffe hingegen wurden De Gaulles „<a href="Forces_fran%C3%A7aises_libres" title="Forces françaises libres">Freiem Frankreich</a>“ unterstellt und bildeten den Kern der freifranzösischen Marine unter Admiral Muselier. Die festgesetzten französischen Schiffsbesatzungen wurden vor die Wahl gestellt, sich entweder den Freifranzosen anzuschließen oder nach Vichy-Frankreich repatriiert zu werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">David Brown: <i>The Road to Oran: Anglo-French Naval Relations, September 1939–July 1940</i>, Frank Cass Series, London 2004, S. 182.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Colin Smith: <i>England’s Last War Against France: Fighting Vichy 1940–42</i>, Hachette UK, 2010, Kapitel 4 (S. 47–56).</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: <i>Chronik des Seekrieges 1939–1945</i>, Bibliothek für Zeitgeschichte der Württembergischen Landesbibliothek, Stuttgart: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/40-07.htm">Chronik Juli 1940</a></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Donald A. Bertke, Don Kindell, Gordon Smith: <i>World War II Sea War – Volume 2: France falls, Britain stands alone</i>, Lulu, 2011, S. 349 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Winston Churchill: <i>Their Finest Hour</i>, Houghton Mifflin Harcourt, 1986, S. 207.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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